Wie ich Psychotherapeut wurde

Das Psychologiestudium ….

war bis zum Vordiplom recht ernüchternd. So sehr, daß ich drauf und dran war, nach dem Vordiplom etwas anderes studieren zu wollen. Informatik! Zum Glück gab ich dem Hauptstudium dann doch noch eine Chance:

ich wollte wissen, ob in der „Klinischen“ Psychologie“ der Mensch – ähnlich wie in der „Allgemeinen Psychologie“ – ebenfalls vorwiegend in statistisch-mathematischer Matrix abgebildet wird. Es ging in den ersten Semestern bis zum Vordiplom nämlich nicht um dialogisches Verstehen und Erklären des Menschen, sondern um  Analysieren, Klassifizieren, Skalieren von menschlichem Verhalten. –
Und tatsächlich: ich fand heraus, es gibt neben der „naturwissenschaftlichen“ Psychologie, eine Psychologie, die auf phenomenologisch-hermeneutischer Erkenntnistheorie (Husserl, Gadamer) gründet. Eine geisteswissenschaftliche Erkenntnistheorie, die dem geltenden naturwissenschaftlichen Primat der Skalierbarkeit de
s Menschen den Vorrang abspricht.

Jetzt galt es in realen Lebenssituationen – im Gegensatz zu Labor-Situationen – in kontrollierter Weise menschliches Verhalten zu beobachten und beschreibend zu protokollieren. Dies, um das Beobachtete mit Hilfe des „hermeneutischen Zirkels“ deutend verstehen zu können. Eine, für mich, erkenntnistheoretische und methodische Offenbarung.

Insbesondere in Verknüpfung mit der, in den 60iger und 70iger Jahren des vorigen Jahrhunderts, noch bewegenden (auch politisch) Existenzphilosophie, auf deren Hintergrund der Mensch in seiner Einzigartigkeit und seiner existenziellen Verantwortlichkeit für sein Dasein gesehen wird.

Später, in meinen Ausbildungen zum Psychotherapeuten, wurden die Gesprächspsychotherapie und die Gestalttherapie die mich prägenden Psychotherapiemethoden. Beide Methoden basieren u.a. auf humanistisch-psychologischen Grundannahmen.

Grundannahmen, die den Menschen in seiner jeweiligen Einzigartigkeit, in seinem Bedürfnis nach Verbundensein mit Anderen, und in seiner Verantwortung für seine Lebensgestaltung beschreiben.

Insbesondere die Gestalttherapie, wie ich sie am „Zentrum für Gestalttherapie“ in Würzburg (Werner Bock und Dr. Frank M. Staemmler) kennengelernt habe, hat mich in dem, was mich heute als Mensch und Psychotherapeut ausmacht, wesentlich befördert.