Der Schlaf des Therapeuten

…. resultiert aus „Einschläferung“.  –

Es ist (zumeist) kein Schlaf, der aus Übermüdung resultiert. Der Schlaf des Therapeuten ist hingegen Ergebnis eines Übertragungsprozesses. Der Therapeut nimmt „Anteil“ an der Verdrängungsleistung seines Klienten.


Verdrängt werden thematisch bedeutsame emotionale Reaktionen.  Die, oft „bleiern lähmend“, wirkende Müdigkeit, die der Therapeut im Kontakt mit dem Klienten zu verspüren beginnt, ist somit eine diagnostisch relevante Selbstwahrnehmung des Therapeuten. Therapeutisch wirksam wird diese Wahrnehmung jedoch nur, wenn es dem Therapeuten (frühzeitig) gelingt, seine Resonanz dem Klienten mitzuteilen, um diesen daraufhin in seiner Selbstexploration anzuleiten. – Ansonsten … schläft er, bewußtlos ob der Hintergründe, ein.

Selbstverständlich könnte man auf die Mitteilung dieser, für den Klienten im ersten Moment  meist despektierlich erlebten „therapeutischen Reaktion“ zur Bewahrung der positiven therapeutischen Beziehung auch verzichten. – Wenn man davon ausgehen kann, daß der Klient die Müdigkeit des Therapeuten (noch) nicht bemerkt hat. –

Ich stelle jedoch immer wieder erstaunt fest, daß der Klient meine „Müdigkeit“ fast zeitgleich (wenn nicht früher) bemerkt, wie ich selbst; – ich erachte es daher als unerläßlich, den Klienten darauf hinzuweisen, daß der Therapeut weder gelangweilt (Langeweile als Übertragungsphänomen resultiert aus einem anderen Beziehungsgeschehen) noch körperlich müde ist, sodaß der Klient die  Rückmeldung des Therapeuten als Unterstützung in seinem persönlichen Explorationsprozess erleben kann. – Anstatt als kränkende Mißachtung seiner Anliegen, oder gar seiner Person.

Um sich dafür interessieren zu können, was den Therapeuten im Kontakt mit dem Klienten offen ersichtlich „einschläfert“, braucht der Klient vom Therapeuten Anleitung.

Er muß seine Aufmerksamkeit auf sein inneres Erleben fokussieren. Klienten berichten in Hinwendung auf ihre innere Welt gerne von ihren Gedanken und ihren kognitiven Schlußfolgerungen. Konsequenterweise braucht es vom Therapeuten unterscheidende Hinweise.
Hinweise darauf, sich in erster Linie auf innneres ERLEBEN, auf „propriozeptive“ Wahrnehmungen,  weniger auf Gedanken und schlußfolgernde Erklärungen, zu konzentrieren.
Klienten können dann, im Verlauf ihrer angeleiteten Selbstexploration feststellen, daß sie tatsächlich, im Hintergrund ihres bewußten Erlebens, energetische Erregungen, Körperempfindungen, motorische Impulse, emotionale Impulse wahrnehmen. Inneres Erleben, das ihnen bislang verborgen geblieben waren.

Mit der Ermunterung, dieser beginnenden Erweiterung ihrer Selbstwahrnehmung weiterhin Aufmerksamkeit zu schenken, entdecken Klienten zunehmend prägnanter inneres „Bewegtsein“.

Dies sind Entdeckungen, die dem Klienten, wie dem Therapeuten erklärlich machen, daß zwischen dem energetischen „Betrag“ der initialen Ermüdung des Therapeuten (die schlagartig verschwunden ist, sobald der Klient sich für seine Selbstexploration interessieren kann!), und dem energetischen Betrag der unbewußt abgewehrten Impulse, ein Zusammenhang besteht.
Je energiegeladener das ins Unbewußte verdrängte Erleben (Affekte, wie Verzweiflung, Angst, Trauer, Wut), umso bleierner die Müdigkeit des Therapeuten.

Mit dem Auftauchen von Bewußtheit, der beginnenden Identifikation mit abgespaltenen Emotionen, bemerken Klienten darüber hinaus, daß sie sich selbst, ähnlich wie der Therapeut, erschöpft, müde oder emotional gelähmt fühl(t)en.

Und sie entdecken, daß die ins Bewußtsein gelangenden Erlebnisinhalte einen gewichtigen Beitrag für ihre aktuell zu bearbeitende Thematik haben.

Auf diese Weise wird der „Schlaf des Therapeuten“, bzw. die offene dialogische Erkundung des Phänomens, zu einer fruchtbaren therapeutischen „Intervention“.

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