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In diesem sich anbahnenden Übergang

von persönlicher Veränderung, von der einen Seinsweise, hinüber in eine neue innere und äußere Haltung (Nietzsche spricht von „drei Wandlungen“), ist vor allem eine Ressource hilfreich:

das Gespräch.

Das Gespräch mit einem professionell unterstützenden Gegenüber.
Einem Berater, Coach oder Psychotherapeuten, der sich im offenen Dialog allein für die Wünsche und Bedürfnisse des Klienten interessiert und diesen darin unterstützt, seinen schon spürbaren Willen zu persönlicher Veränderung, klar und deutlich zu konkretisieren, gangbare Wege zu erkunden, „Richtungsentscheidungen“ zu treffen, erste Schritte  zu realisieren. –

Manchmal ist dieser Findungsprozess recht  unspektakulär, sowohl im Erkunden und Formulieren, wie auch in der konkreten Umsetzung. –
Oft braucht es aber auch über eine längere Zeit hinweg innere Aufmerksamkeit für auftauchende persönliche Konflikte. Denn, nicht selten stellen sich unseren Veränderungswünschen rationale und emotionale Argumente entgegen, mit dem Effekt eines (erneuten) persönlichen Stillstandes.

Objektiv vernünftige Einwände gegen das erstrebte Vorhaben sind dabei nicht das eigentliche Problem. Diese lassen sich analysieren, bewerten und integrieren, im Hinblick auf eine mögliche Anpassung des Veränderungswunsches. –

Es sind die „emotionalen“ Einwände, die „objektiv unbegründeten“, aber hochwirksamen (Selbst)Zweifel, mit denen wir uns ernsthaft in unserer persönlichen Entwicklung blockieren können. Um die individuelle „Architektur“ dieser Selbstzweifel bewußt erkennen und bewältigen zu können, braucht es einen vertieften Selbsterkundungsprozess. Einen Selbstfindungsprozess, an dessen Ende eine, sowohl rational vernünftige, wie auch emotional stimmige, Entscheidung möglich wird. – Wie dieser „erweiterte“ Beratungsprozess konkret befördert wird, können Sie unter dem Punkt „Konkrete Praxis“ einsehen.

 

Exkurs Erkenntnistheorie:

Entelechie

Was in einer dialogischen Begegnung in den aufeinander bezogenen Personen jeweils bewußt wird, kann nicht „voraus berechnet“ werden. In beiden Beteiligten entsteht Erkenntnis, in der momentanen Wahrnehmung des jeweilig Anderen.
Diese Erkenntnisprozesse unterliegen im Kern qualitativen Vorgängen,  wie sie u.a. mit den Konzepten der „Selbstorganisation“, der

Selbstregulation dynamischer chaotischer Prozesse„, der

Quantentheorie“ und, bezogen auf den dialogischen Prozess, mit dem Konzept der

„Empathie“,

heute wissenschaftlich zu erklären sind.

Obgleich in der biologisch und neurologisch orientierten Gehirnforschung – wie auch von manchen Philosophen – die dezidierte Meinung vertreten wird, daß in unserer Welt keinerlei metaphysische Annahmen vonnöten sind, um die Entwicklung des Lebens umfassend naturwissenschaftlich beschreiben zu können (Positivismus), bleibt in den oben erwähnten wissenschaftlichen Erklärungskonzepten „der Zauber des letztlich Unerklärlichen“ unserer menschlichen Existenz erhalten. Und manche meinen, „das ist auch gut so“! –

Bleibt doch darüber auch das Wissen um ein – wie oben postuliert – dem Leben innewohnendes, im Vorhinein unplanbares immanentes Streben nach Erfüllung, dem Streben nach der guten Gestalt, dem Streben nach Ganzheit in unserem lebendigen Dasein erhalten.

Aristoteles sprach in diesem Sinne von Entelechie, Friedrich Cramer sprach von „Materie in einem Evolutionsfeld“ und A. N. Whitehead sprach davon, daß alles, was im Kosmos existiert nach Selbsterfüllung im Streben nach Ganzheit verlangt, so auch in uns Menschen.

Alles was „in sich“ ganz ist, ist in diesem Moment auch gut.

Jede Indifferenz in unserem Selbsterleben, jede andauernde Unzufriedenheit ist, im Dienste eines „guten Lebens“, Aufforderung zu persönlicher Stellungnahme und Wandlung. Leben dokumentiert und erfüllt sich in fortlaufender Neugestaltung. Und, indem wir davon ausgehen können, daß ein erfülltes Leben, ein Leben in kontinuierlicher Anpassung an sich verändernde Lebensbedingungen ist, ist es leichter möglich, fortdauernd auftauchende Unstimmigkeiten in unserem Leben als das anzuerkennen, was sie sind:

immanente Aufforderung zu persönlicher Veränderung!

So gesehen kann das menschliche  Streben nach  „Sicherheit“ nur eine beständig neu zu erlangende Sicherheit in einem Fließgleichgewicht zwischen Veränderung und Bewahrung sein.

Persönliche Sicherheit verlangt im Maximum nach Bewahrung des Vorhandenen. Persönliche Veränderung hingegen braucht den Mut sich auf Neues einzulassen. Ein Dilemma.

Dieses Dilemma kennt nur zwei Lösungen: entweder der Mensch bleibt wo und wie er ist, oder er bewegt sich letztendlich doch in das Neue hinein. 

Dies gelingt bestens, wie eingangs beschrieben,  wenn wir nicht allein bleiben in diesem Dilemma.

Menschliches Leben und Überleben gründet in wesentlichen Aspekten darin, daß wir soziale Wesen sind. Einer dieser Aspekte ist paradoxerweise auch unser Streben nach Autonomie und Selbstvertrauen. 

Individualität vollzieht sich in Bezogenheit auf andere Individuen. Wir sind bezogen, weil wir für ein gelingendes autonomes Leben in Gemeinschaft den Anderen als Gegenüber brauchen. Wie die Luft zum Atmen. Das Wasser zum Trinken. Wir brauchen einander.

Um zu uns selbst zu kommen und über unser momentanes Selbst hinaus zu wachsen.  Ein Paradox!?

 

Siehe hierzu auch :

Gestalttherapie

Gestaltpsychologie