Ganzheitlicher Entscheidungsprozess

Dieser ganzheitliche Lern- und Entscheidungsprozess

vollzieht sich schrittweise in einem „dialogischen Miteinander“.

Zum Wesen eines Dialogs

„Dialogisch“ beschreibt ein Beziehungsgeschehen. Zwei grundsätzlich gleichberechtigte Personen stehen in einem persönlichen Austausch.

Im Verlauf dieses wechselseitigen Austausches geht es in einem Psychologischen Beratungs- oder Psychotherapiegespräch ausschließlich um die Interessen des Klienten.

Es ist somit ein Gespräch zwischen zwei Personen, von denen eine der Personen ein persönliches Ziel hat und das Gegenüber diese Person darin unterstützt, dieses Ziel zu erreichen.

Es ist ein offenes Gespräch, getragen von Argumenten, Hinweisen und Einwänden.
In besonderem Maße aber auch getragen von persönlichen Mitteilungen, die über sachliche Inhalte hinausgehen.

Der Psychologische Berater oder Psychotherapeut geht zum Beispiel nicht allein auf das gesprochene Wort des Ratsuchenden, auf seine Vernunft, sein Denken ein.
Er geht auch ein auf die,

das Denken begleitende,

Sprache des Körpers. 

Auf den Tonfall der Stimme, auf die Mimik, die Gestik, die Körperhaltung. – Kurz, der Psychotherapeut spricht die offen wahrnehmbare leibliche Präsenz des Ratsuchenden an.

In der Regel sind dem Klienten, diese, vom Psychotherapeuten oder Psychologischen Berater zur Verfügung gestellten Rückmeldungen bezüglich seiner „Körpersprache„, nicht bewußt.

Indem der Klient in der gemeinsamen Situation die Möglichkeit hat, die gegebenen Rückmeldungen zu prüfen, zu bestätigen oder auch zu verwerfen, erweitert sich stetig dessen bewußte Selbstwahrnehmung und damit auch seine Selbstbewußtheit. In der Folge auch sein Vermögen, sein situatives Denken, Fühlen und Handeln aktiv in Übereinstimmung zu bringen.

So kann der Psychotherapeut den Klienten z. B. darauf hinweisen, daß dieser während der Beschreibung einer Begebenheit klingt, als ob er traurig ist und er über das Gesagte weinen könnte. Wenn diese Rückmeldung die Zustimmung des Klienten findet, könnte diese bewußte Feststellung wiederum dazu führen, daß sich der Klient seiner Trauer bewußt zuwendet und er sich seinen Tränen, seiner Trauer überläßt.

Über das offen Ersichtliche, sprich „sinnlich bewußt wahrnehmbare“ Geschehen hinausgehend, eröffnet der Psychologische Berater oder Psychotherapeut dem Klienten noch eine weitere Quelle persönlicher Mitteilungen:

Resonanzphänomene

Gemeint sind im Dialog entstehende körperliche Reaktionen, auftauchende „innere Bilder“, „vage Anmutungen“, gedankliche Assoziationen die im Psychologischen Berater bzw. Psychotherapeuten entstehen. – Dies als innere Resonanz auf die ganzheitliche Wahrnehmung des Klienten im Gespräch. „Ganzheitlich“ meint hier wieder die ganze  Erscheinung einer Person: Körper(sprache), Denken, Sprechen, Fühlen.

Es sind persönliche Mitteilungen „aus dem Innenleben“ des Psychotherapeuten, die dem Klienten Einblick geben, was er im konkreten Kontakt im Gegenüber auslöst. Einblicke, die auch darauf hinweisen, wie der Klient im Kontakt mit anderen Personen seines sozialen Umfeldes erlebbar werden kann. – Was zu überprüfen wäre.

Es sind oft auch Rückmeldungen, die dem Selbstbild des Klienten widersprüchlich sind. Und deshalb können diese Mitteilungen Anlass sein, das bisherige Selbstbild zu erweitern, zu verändern.  – 

So ist vielen Klienten nicht bewußt, daß sie im Kontakt mit anderen Personen Anmutungen auslösen, die ganz und gar nicht zu ihrem bewußten Selbstbild passen. Sie „wissen“ nur von jenen Aspekten ihrer Person, die sie als Erwachsener vor sich selbst gut finden, nicht jedoch von jenen, mit denen sie schon als Kind keine Beachtung gefunden haben:

sie wissen z.B. nicht (mehr), daß sie in sich immer noch die Trauer und den Schmerz ihres Kindseins in sich tragen. Ein aufmerksam zugewandter Zuhörer kann jedoch durchaus intuitiv erahnen, daß neben dem erwachsenen Mann oder der erwachsenen Frau auch ein einst ungehörtes oder unbeachtetes Kind mit im Raum erscheint.

Eine solche „Anmutung“ im Kontext eines vertrauenvollen Miteinanders auszusprechen und danach gemeinsam auf Stimmigkeit zu erkunden, bietet dem Klienten potentiell die Möglichkeit, sich in einem bislang unbekannten Licht sehen und erkennen zu können.


Manchmal

haben solche Mitteilungen eine, auch für den Psychotherapeuten, überraschende Wirkung:

in dem Moment, in dem der Psychotherapeut ausspricht, was ihn ihm in Resonanz auf den Klienten vorgeht, indem er z.B. von seinen inneren Bildern spricht, stellt das Gegenüber manchmal überrascht fest, daß ihm der Aspekt seines Selbst, den ihm der Therapeut gerade zuschreibt, bislang nicht bewußt war. –

Doch weiß der Klient sich zugleich im Hören dessen,  was ihm gerade gesagt wird, in einem ihm wichtigen konkreten Aspekt seiner Person, „stimmig gesehen„.

Es ist dem überraschten Klienten so, als ob  ihm das soeben Zugeschriebene, tatsächlich immer schon „irgendwie“ zueigen gewesen ist. Allein, er hat es nicht bewußt realisiert. 

Erst die offen ausgesprochene Resonanz eines bedeutsamen Anderen, dem Psychotherapeuten, läßt so eine schon vorhandene „innere Wahrheit“ bewußt in das Selbsterleben des Klienten eintreten. Mit der Konsequenz, daß der Klient in sein Selbstbild integrieren kann, was er „immer schon hatte“.

Er wird zu dem, der er ist. – Ein Vorgang, dem das Zwischenmenschliche innewohnt, die in Bubers Aussage, „Der Mensch wird am Du zum Ichgemeint ist.

Zwei Beispiele

Ein beruflich erfolgreicher Klient

Eine Schmerzpatientin