Ganzheitlicher Entscheidungsprozess

Dieser ganzheitliche Lern- und Entscheidungsprozess

vollzieht sich schrittweise in einem „dialogischen Miteinander“.

Zum Wesen eines Dialogs

„Dialogisch“ beschreibt ein Beziehungsgeschehen. Zwei grundsätzlich gleichwertige und gleichberechtigte Personen stehen in einem persönlichen Austausch.

Im Verlauf dieses wechselseitigen Austausches geht es in einem Psychologischen Beratungs- oder Therapiegespräch ausschließlich um die Interessen des Klienten.

Es ist somit ein Gespräch zwischen zwei Personen, von denen eine Person ein persönliches Ziel hat und das Gegenüber die erste Person darin unterstützt, dieses Ziel zu erreichen.

Es ist ein offenes Gespräch, getragen von vernünftigen Argumenten, Hinweisen und Einwänden.
In besonderem Maße aber auch getragen von persönlichen Mitteilungen, die über sachliche Inhalte hinausgehen.

„Der Mensch wird am Du zum Ich“ (M. Buber, „Ich und DU“, Stgt. 2008)

Der Psychologische Berater oder Psychotherapeut geht zum Beispiel nicht allein auf das gesprochene Wort des Ratsuchenden, auf seine Vernunft, sein Denken ein.
Er geht auch ein auf die, das Denken begleitende,

Sprache des Körpers. 

Auf den Tonfall der Stimme, auf die Mimik, die Gestik, die Körperhaltung. – Kurz, der Psychotherapeut spricht die offen wahrnehmbare leibliche Präsenz des Ratsuchenden an.

In der Regel sind dem Klienten, diese, vom Psychotherapeuten oder Psychologischen Berater zur Verfügung gestellten Rückmeldungen bezüglich seiner „Körpersprache“ nicht bewußt.

Indem der Klient in der gemeinsamen Situation die Möglichkeit hat, die gegebenen Rückmeldungen sofort zu prüfen, zu bestätigen oder auch zu verwerfen, erweitert sich stetig seine Selbstbewußtheit, seine Selbstwahrnehmung und damit auch sein Selbstbild.
Und …  sein Vermögen, sein persönliches Denken und Handeln in Übereinstimmung zu bringen.

Über das offen ersichtliche, sprich „sinnlich wahrnehmbare“ Geschehen hinausgehend, eröffnet der Psychologische Berater oder Psychotherapeut dem Klienten noch eine weitere Quelle persönlicher Mitteilungen:

Er stellt ihm, bezogen auf das konkrete Thema des Klienten, auch eigene inneren Vorgänge – die vom Klienten nicht wahrgenommen werden können – zur Verfügung.


Innere Repräsentationen des Psychotherapeuten,

die im Kontakt mit dem Klienten entstehen.
In ganzheitlicher Resonanz auf dessen aktuelle Präsenz.
Es sind im konkreten Dialog entstehende innere Empfindungen, Affekte, körperliche Reaktionen,  gedankliche Assoziationen, auftauchende „innere Bilder, „vage Anmutungen“.

Persönliche Mitteilungen „aus dem Innenleben“ des Psychotherapeuten, die dem Klienten Einblick geben, was er selbst im aktuellen Kontakt im Gegenüber auslöst.

Es sind Einblicke, die (vielleicht) darauf hinweisen, wie der Klient auch im Kontakt mit Personen seines näheren sozialen Umfeldes erlebt wird. – Was zu überprüfen wäre.

Es sind oft Rückmeldungen, die dem Selbstbild des Klienten widersprüchlich sind. Und deshalb können diese Mitteilungen Anlass sein, die bisherige persönliche Identität zu erweitern, zu verändern.  – Wenn der Klient den Rückmeldungen des Psychotherapeuten vertrauen kann.

Wenn er tatsächlich entdeckt, daß nicht nur der Psychotherapeut oder Berater ihn, den Klienten, „so sieht“. Das Andere ihn ebenfalls „so“ oder ähnlich wahrnehmen und erleben.

Im Sinne Martin Bubers (…“das Ich entsteht am Du“), sind solche persönlichen Mitteilungen seitens des Therapeuten also wichtige Rückmeldungen. Sie sind nötig um dem Klienten potentiell die Möglichkeit zu eröffnen, sich in einem neuen Licht sehen und erkennen zu können. – 

Die vom Psychotherapeuten (Berater) in sich selbst wahrgenommenen Resonanzphänomene haben zum Teil noch eine weitere, oft überraschende Wirkung und Funktion.

Indem der Psychotherapeut ausspricht, was ihn ihm vorgeht, während er z.B. von seinen inneren Bildern spricht, die, in Resonanz auf den Klienten, in ihm auftauchen, stellt das Gegenüber manchmal überrascht fest, daß ihm der Aspekt seines Selbst, den ihm der Therapeut gerade zuschreibt, bislang nicht bewußt war. –

Doch weiß er sich augenblicklich, im Hören dessen,  was ihm gerade gesagt wird, in einem ihm wichtigen konkreten Aspekt seiner Person, „stimmig gesehen„.

Es ist dem überraschten Klienten so, als ob  ihm das soeben Zugeschriebene, tatsächlich immer schon „irgendwie“ zueigen gewesen ist.
Allein, er hat es nicht bewußt realisiert.
Es hat die bewußte Integration in sein Selbstverständnis gefehlt.

Erst die offen ausgesprochene Resonanz eines bedeutsamen Anderen, dem Psychotherapeuten, läßt so eine schon vorhandene „innere Wahrheit“ bewußt in das Selbsterleben des Klienten eintreten.
Mit der Konsequenz, daß der Klient in sein Selbstbild integrieren kann, was er „immer schon hatte“.

Er wird zu dem, der er ist. – Ein Vorgang, dem das Zwischenmenschliche innewohnt, die in Bubers Aussage,
Der Mensch wird am Du zum Ich“ mit gemeint ist.

Zwei Beispiele

Ein beruflich erfolgreicher Klient

Eine Schmerzpatientin