Eine Schmerzpatientin

Frau S ist nach längerer Krankschreibung von der Krankenkasse aufgefordert,

mit einem medizinischen Gutachten eine Prognose hinsichtlich ihrer zukünftigen Arbeitsfähigkeit nachweisen zu lassen.

Seither leidet Frau S, nach einer Phase relativ langer Schmerzfreiheit und darüber zunehmender „Freude am Leben“, erneut an unerklärlich heftigen Rückenschmerzen.


Einerseits ist Frau S  daran interessiert eine Erwerbsminderung bestätigt zu bekommen, andererseits trägt sie sich mit dem Gedanken, zusammen mit einer Freundin ein Cafe zu eröffnen. Ein Vorhaben, welches sie mit inspirierender Kreativität verfolgt.

In dem sich darüber entwickelnden Dialog mit ihrem Therapeuten, wird Frau S gebeten, mit voller Aufmerksamkeit den Schmerz in ihrem Rücken zu „beobachten“. Obwohl es für die Klientin eine Herausforderung ist, sich bewußt dem Schmerz zuzuwenden, kann sie sich diesem unangenehmen Erleben eine zeitlang aussetzen. –

Auf die Frage, was denn ihr Körper unter dem bewußt erlebten Schmerz tun will, welche motorischen Impulse sie in sich entdeckt, sagt die Klientin, sie wolle sich „am liebsten körperlich einrollen„.

Sie wird vom Therapeuten aufgefordert, sich dieses Einrollen in der Phantasie zu erlauben. Sie berichtet von Bildern, in denen sie „sehen“ kann, wie sie eingerollt auf dem Teppich des Therapieraumes liegt. In einer Haltung, in der sie sich „fürsorglich geschützt“ erlebt.
In den folgenden zwei, drei Minuten entdeckt die Klientin, daß sich der Schmerz „wandelt“. Er wandere und verändere dabei seine energetische Qualität. –

Der Therapeut fragt nach, wie genau sich die energetische Qualität verändert. –
Die Klientin berichtet, daß sich der Schmerz aus ihrer Lendengegend „heraus aufwärts“ bewegt. Dies verändere auch das begleitende Gefühl.

Es „fühlt sich jetzt eher an wie ein Wärmegefühl“, das sie durchzieht.

Während sie dies berichtet kann der Therapeut verfolgen, daß die Klientin, die die ganze Zeit über mit geschlossenen Augen ihm gegenüber auf dem Sessel sitzt, ihre Haltung verändert. Sie scheint sich mit langsamer Bewegung aufzurichten; und sie beginnt während dieser Bewegung leicht zu lächeln.

Während der Therapeut dies einige Zeit still verfolgt, schlägt die Klientin die Augen auf und meint, es sei sehr erstaunlich, sie habe das Gefühl, im ganzen Körper mehr „Raum zu verspüren“.
Sie fühle sich dabei ungewohnt kraftvoll.

Ich mache sie darauf aufmerksam, daß sie offensichtlich ihre Haltung auf dem Sessel verändert habe. Ob ihr dies bewußt sei? Sie berichtet, daß sie dies sehr wohl bemerkt habe, sie sei „einfach den Impulsen gefolgt“, die sie beim „Wandern“ des „Schmerzes“ körperlich verspürt habe.

Da mittlerweile die Zeit unseres Treffens abgelaufen ist, verabschiedet sich die Klientin, ohne daß wir den inneren Prozess der Klientin gemeinsam weiter besprechen können. Beim nächsten Treffen berichtet die Klientin jedoch, daß sie sehr dankbar für dieses Erlebnis sei.
Sie wisse jetzt, wie sie sich fühle, wenn sie schmerz- und angstfrei im Leben sei. Sie habe sich noch längere Zeit in diesem „gelösten Zustand“ erleben können.

Es sei ihr bewußt geworden, daß die Wandlung des Schmerzerlebens davon abhängig war, daß sie, durch die „Erlaubnis“ sich in einer fürsorglichen Umgebung virtuell „einrollen“ zu können, einem lange unterdrückten Bedürfnis nach fürsorglicher Beziehung nachgehen konnte.
Anstatt sich im Leben „immer allein durchschlagen“ zu müssen.


In dem sich daraufhin einstellenden Zustand sei sie nicht nur arbeitsfähig, sie würde dann auch gerne tätig sein wollen. –