Ein beruflich erfolgreicher Klient

Last Updated on 1. April 2024 by Raymond Trumpfheller

Es ist mir schon des Öfteren aufgefallen, daß Klienten in den ersten Sätzen einer therapeutischen Sitzung, Aussagen machen, die die Lösung ihres geschilderten aktuellen Problems prägnant benennen. Es besteht lediglich keine ganzheitliche Erfahrung in den Aussagen. Eine (interessanterweise gegenseitige) Form dieses Phänomens ist die Erfahrung, daß schon bei der Begrüßung, der Therapeut zu dem Klienten sagt; „heute ist alles gut“ und der Klient ihm spontan antwortet, „ja, alles ist gut“. In der sich entwickelnden Sitzung, erläutert der Klient seine momentane Lebenssituation. Neben der Tatsache, daß es ihm „gut geht“, weil sich in seinem Leben wesentliches im Alltag zum Positiven verändert hat (u.a. seine Arbeit, seine Beziehung), stellt der Klient nach einiger Zeit schamvoll zögerlich fest, daß er heute eine goldene Uhr, ein Erbe seines verstorbenen Vaters, trägt. Schamvoll, weil unsicher, ob es ihm „zusteht, soviel Prunk“ zu tragen, entwickelt er im Weiteren (nachdem der Therapeut, ihm keinerlei Rückmeldung, ob der Scham(losigkeit) gegeben hat), zunehmend Gefallen an dem Umstand „reich gekleidet“ zu sein. Er erläutert, daß er sich im Moment zunehmend, wie ein indischer Pascha vorkommt, auf einer Art Thron sitzend, farbenfroh umkränzt von Blumengirlanden, um sich herum ein Meer von Früchten. – „Alles ist gut“.

Mit dieser Aussage verknüpft, taucht das Gefühl in ihm auf, sich einem äußeren und inneren Reichtum überlassen zu wollen, in der ganzheitlich erfahrenen Gewissheit, daß ihm dieser Reichtum gerade eben tatsächlich gegeben und auch zugestanden ist. Darüber hinaus entstand in ihm die Idee, daß er auf dem Hintergrund seines gerade eben realisierten Wohlstandes, sich auch in Zukunft mehr gönnen will, daß ihm dieser zugewachsene Reichtum nicht ohne weiteres „wieder verloren gehen kann“. „Alles ist gut“.
Dieses, sich in einer psychotherapeutischen Sitzung entfaltende Erleben, ereignete sich nach Jahren existenzieller Verunsicherungen und nach einem schon vor Jahren entstandenen Bedürfnis „sich mehr gönnen zu können“, anstatt „knausern zu müssen“.