Ein beruflich erfolgreicher Klient

Klienten äußern oftmals schon in den ersten Sätzen einer therapeutischen Begegnung die pägnante Auflösung ihres aktuellen Problems.

Es besteht lediglich keine ganzheitliche Bewußtheit ihrer Aussagen.

Eine (interessanterweise dialogische) Form dieses Phänomens ist die Erfahrung, daß sowohl der Therapeut bei der Begrüßung zu dem Klienten sagt; „heute ist alles gut“, wie auch der Klient ihm spontan antwortet, „ja, alles ist gut“. In der sich entwickelnden Sitzung, erläutert der Klient seine momentane Lebenssituation.

Neben der Tatsache, daß es ihm „tatsächlich gut geht“, weil sich in seinem Leben wesentliches zum Positiven verändert hat (u.a. seine Arbeit, seine Beziehung), stellt der Klient nach einiger Zeit schamvoll zögerlich fest, daß er heute eine goldene Uhr, ein Erbe seines verstorbenen Vaters, trägt.

Schamvoll, weil unsicher, ob es ihm „zusteht, soviel Prunk“ zu tragen, entwickelt er im Weiteren (nachdem der Therapeut, ihm keinerlei Rückmeldung, ob der Schamlosigkeit gegeben hat), zuehmend Gefallen an dem Umstand „reich gekleidet“ zu sein.

Er erläutert, daß er sich im Moment wie ein indischer Pascha vorkommt, auf einer Art Thron sitzend, farbenfroh umkränzt von Blumengirlanden, um sich herum ein Meer von Früchten. – „Alles ist gut“.

Mit dieser Aussage verknüpft, taucht das Gefühl in ihm auf, sich einem äußeren und inneren Reichtum überlassen zu wollen, in der soeben erfahrenen Gewissheit, daß ihm dieser Reichtum tatsächlich gegeben und zugestanden ist.
Darüber hinaus erwuchs ihm die Idee, daß er, auf dem Hintergrund seines gerade eben realisierten „Wohlstandes“, sich auch in Zukunft mehr gönnen kann; daß ihm dieser zugewachsene Reichtum nicht ohne weiteres (so seine Befürchtung) „wieder verloren gehen kann“. „Alles ist gut“.

Diese sich erst schamvoll und zögerlich entfaltende ganzheitliche Bewußtheit seines aktuellen „persönlichen Reichtums“, ereignet sich nach Jahren existenzieller Verunsicherungen und einem daraus resultierenden Bedürfnis „sich mehr gönnen zu wollen“, anstatt „knausern zu müssen“.